Heute hat die Neun- oder Zehnjährige in mir triumphiert.
Sie musste ein Vierteljahrhundert darauf warten.

Im Musikunterricht der 90er-Jahre durfte jedes Kind ein Lied Playback präsentieren. Ich wählte ein Lied von Jule Neigel und warf mich so richtig rein, ging völlig auf, verlor mich zwischen Text und Tanz. Als ich wieder auftauchte und in die Gesichter der anderen Kinder blickte, wurde mir klar: das ist nicht so gut angekommen, das fanden die nicht cool.
Ein schamvoller Moment.

Heute stand ich an der U-Bahn, enttäuscht von einer Absage für einen Job, stöpselte meine Kopfhörer in die Ohren.
Play.
Die ersten Töne von „Dancing in the dark“ erklangen: Ach, Scheiß drauf. Mein Kopf wippte, mein Fuß tippte, meine Schultern zuckten, meine Hände wogten.
Die Bahn fuhr ein. Bowie übernahm, ich zappelte zu Modern Love und wäre gern so schön gerannt wie Frances Ha. Fleetwood Mac. Ich schwang. Bilderbuch. Ja, wie beschreibt man Bewegungen, wenn es heißt: ‚Steig in mein Auto ein’ oder ‚Ich brauch Power für mein Akku’. Lässiges Nicken vielleicht, gepaart mit einem sehr, sehr coolen Gang und einer Mine, die über alles erhaben scheint und dabei ironisch schmunzelt.

Ich bin nicht so aus mir herausgegangen wir vor 25 Jahren, aber verdammt: Ich habe getanzt.

16. März 2018